Wohnungspolitik: Spekulation mit Wohnhäusern verhindern

Veröffentlicht von markus.heinzer am

Der folgende Artikel erschien am 3. November im “Anzeiger für das Nordquartier”, Nr. 19, 2016

Ausverkauf des Nordquartiers?

„Dr nöi Breitsch“, „ESP Wankdorf“, Neubau bei der ehemaligen Serini-Garage, Renovationen und Totalsanierungen in fast jeder Strasse des Quartiers. Es tut sich was in Berns Norden. Doch was bedeuten diese sogenannten Aufwertungen für die Quartierbewohnerinnen und –bewohner?

Renovation und Neubau heisst nicht nur mehr Komfort und gesteigerte Lebensqualität, sondern oft auch steigende Mieten und somit Verdrängung. Es profitieren also nicht alle Bevölkerungsschichten gleichermassen von Quartieraufwertungen. Die Menschen, welche sich jetzt eine der luxussanierten Wohnungen im vorderen Breitsch kaufen, sind vermutlich nicht dieselben, welche vorher dort gelebt haben. Dieser Prozess wird auch „Gentrifizierung“ genannt. Der deutsche Stadtsoziologe Andrej Holm bezeichnet den Vorgang als „Austausch von statusniederen durch statushöhere Bewohner_innen, die bauliche Aufwertung und ökonomische lnwertsetzung des Stadtteils sowie die umfassende Veränderung des Nachbarschaftscharakters“. Ist also etwa die Zeppelin-Bar schuld an der Gentrifizierung der Lorraine? Das Phänomen ist historisch gesehen nichts Neues und zu behaupten die Ursache läge in der „Yuppisierung“ und Individualisierung der Lebensstile, greift zu kurz. Das Problem liegt vielmehr darin, dass Wohnungen wie andere Konsumgüter auf dem Markt gehandelt werden. Eine Wohnung deckt so ein menschliches Grundbedürfnis ab (ein Dach über dem Kopf) und ist gleichzeitig eine Kapitalanlage. Mieter_innen und Immobilienbesitzer_innen haben also gegensätzliche Interessen. Während die einen einfach akzeptabel wohnen möchten, sind die anderen hauptsächlich an der Maximierung ihrer Kapitalrendite interessiert. Die Wirtschaftskrise hat das Problem noch verschärft, da Immobilien als sichere Kapitalanlage gelten. Vielfach sind es Pensionskassen, die in Immobilien investieren und damit viele Menschen aus ihren Wohnungen verdrängen.

Aktive Rolle der Stadtpolitik notwendig

Die Stadt soll sich aktiv am Wohnungsmarkt beteiligen, wie es auch das Reglement über die Boden- und Wohnbaupolitik fordert. Wir vermissen eine zielgerichtete Strategie, um der Verdrängung in den Quartieren entgegenzuhalten und einen möglichst grossen Teil des Bodens unter demokratische Kontrolle zu bringen (u.a. durch Eingemeindung der Burgergemeinde). Die Förderung von gemeinnützigem Wohnungsbau alleine wird die Verdrängungsprozesse nicht stoppen und hilft Menschen mit wenig Geld, die heute eine Wohnung brauchen, nichts. Die Stadt soll nicht nur Leuchtturmprojekte bauen, sondern vermehrt in sozialen Wohnungsbau investieren, ältere Liegenschaften aufkaufen und günstig vermieten sowie vergünstigte Wohnungen mit Vermietungskriterien bereitstellen.

Autor_innen: Barbara Zimmermann, Markus Heinzer & Rahel Ruch (alle 3 kandidieren für den Stadtrat: Liste 14 Grünes Bündnis)

Kategorien: Gesellschaft

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