Die Schule fördert Solidarität und Respekt

Veröffentlicht von markus.heinzer am

erschienen im “grün.” November 2019 (Parteizeitschrift des Grünen Bündnis Stadt Bern)

Markus Heinzer, Vizepräsident des GB, wurde diesen Sommer zum Präsidenten der Schulkommission Breitenrain-Lorraine sowie der gesamtstädtischen Volksschulkonferenz gewählt.

Herzliche Gratulation, Markus Heinzer, zu dieser Wahl! Wo möchtest du Schwerpunkte setzen?

Als Schulkommission wollen wir ein Bindeglied sein zwischen der Schule und den Menschen im Quartier. Dafür müssen wir nahe an der Schule dran sein. Das heisst nicht, dass wir den Profis reinfunken wollen, sie machen ihre Arbeit meist sehr gut. Aber nur wenn wir nahe dran sind, verstehen wir, was abläuft, und können helfen, die Innen- und die Aussensicht zu verbinden.

Vor kurzem war im «Bund» zu lesen, dass die Integration von Sonderschüler_innen in die Regelklassen an Grenzen stösst. Die integrative Schule war immer ein Ziel des GB. Was kann die Schulkommission da beitragen?

Es wäre vorschnell, die Integration als abgeschlossen anzusehen. Kinder mit schwierigem Hintergrund brauchen vor allem Stabilität und klare Bezugspersonen. Kleinere Klassen wären ein Schlüssel, aber das hat im bürgerlich geprägten Kantonsparlament heute keine Chance. In der Erziehungsdirektion werden unsere Erfahrungen von der Basis jedoch sehr ernst genommen. In der Stadt schauen wir, dass die Schulleitungen ihre Freiräume gut nutzen und sich von guten Beispielen inspirieren lassen.

Seit der Stärkung der Schulleitungen wird die Rolle der Schulkommissionen immer wieder hinterfragt. Es war auch schon die Rede davon, diese ganz abzuschaffen. Warum lohnt es sich, die Schulkommissionen beizubehalten?

Eine Schulkommission bietet etwas, was keine andere Instanz bieten kann: Sie steht zwischen der Schule und der Öffentlichkeit und ist politisch legitimiert. Wenn die Kommission etwas entscheidet, wird das beispielsweise von den Eltern eher akzeptiert, weil sie uns zutrauen, die Vor- und Nachteile fürs grosse Ganze abzuwägen. Und der Schule bieten wir einen Aussenblick: Wir sind in der Quartiergemeinschaft verwurzelt und können die Schule davor bewahren, wie ein Heissluftballon abzuheben.

Einer breiteren Öffentlichkeit ist die Volksschulkonferenz kein Begriff. Neu soll sie mehr Entscheidkompetenzen erhalten. Was versprichst du dir davon?

Damit stärken wir die gesamtstädtische Perspektive. Heute wird das Gemeinsame, das die Stadtberner Schulen ausmacht, zu wenig betont.

Auf welche zentralen Herausforderungen muss die Schule in den nächsten Jahren Antworten finden?

Eine zentrale Herausforderung ist die Digitalisierung: Die Schulen sind mitten in der Umstellung. Die Geräte sind da und funktionieren meistens, aber wie sollen die Lehrkräfte sie einsetzen? Wieviel bringt die Anwendung von Tablets im Unterricht? Wo sind die Grenzen? Die Fragen und Probleme sind weitgehend erkannt, aber nach Lösungen wird erst noch gesucht. Auch der wachsende Individualismus ist eine Herausforderung: Die Schule ist heute oft der erste Ort, wo das Kind lernt, sich in einer Gruppe zu bewegen und nicht immer als erstes dranzukommen. Die Schule wird so eine wichtige Stütze für Rücksichtnahme, Solidarität und Respekt in der Gesellschaft.

Interview: Christine Michel, Redaktion Grünpunkt


0 Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.